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Hochwasser und Starkregen

Wie du dein Risiko erkennst, Warnungen und Gefahrenkarten liest, Haus und Keller schützt, bei steigendem Wasser richtig handelst – und worauf du danach achten musst.

Stand: 5.11.2026 · PDF (A4) · PDF-Heft (A5)

Hochwasser kommt nicht nur an großen Flüssen. Starkregen kann überall in kurzer Zeit Straßen, Keller und Unterführungen fluten – auch weit weg von Bach oder Fluss. Die gute Nachricht: Was im Ernstfall Leben schützt, ist einfach. Nicht in den Keller. Nicht durchs Wasser. Rechtzeitig nach oben. Und vieles, was Schäden klein hält, kannst du in Ruhe vorbereiten.

Auf einen Blick

  • Zwei Arten von Hochwasser: Flusshochwasser kündigt sich an größeren Flüssen meist Stunden bis Tage vorher an. Starkregen ist räumlich begrenzt, kaum genau vorherzusagen und lässt oft nur sehr wenig Zeit.
  • Dein Risiko kennen: Die Hochwassergefahrenkarte deines Landes zeigt Flusshochwasser, eine Starkregengefahrenkarte (meist von der Stadt) zeigt Überflutung durch Regen. Ein weißer Fleck auf der Karte heißt nicht, dass dort kein Wasser hinkommen kann.
  • Keller ist tabu, wenn Wasser eindringt: Die Tür lässt sich dann von innen oft nicht mehr öffnen, und es droht ein tödlicher Stromschlag. Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen und Unterführungen meidest du ebenfalls.
  • Strom frühzeitig abschalten für Räume, in die Wasser kommen kann – aber nur, wenn du dabei trocken stehst.
  • Nie durch Hochwasser gehen oder fahren: Schon 15 cm schnell fließendes Wasser können einen Menschen umwerfen, 30 cm bewegtes Wasser bringen ein Auto zum Schwimmen.
  • Nach oben – oder gehen, wenn die Behörden es sagen. Höher gelegene Stockwerke und Bereiche bieten den besten Schutz.
  • Danach: erst hinein, wenn es sicher ist; Fotos vor dem Aufräumen; Elektrik und Heizung von Fachleuten prüfen lassen; schnell trocknen.

Klein anfangen

Du musst heute weder Sandsäcke kaufen noch den Keller umbauen. Nimm dir jeden Tag eine dieser Aufgaben vor – keine dauert länger als zehn Minuten, und fast alle kosten nichts:

  • Gefahrenkarte ansehen: Such nach „Hochwassergefahrenkarte“ und deinem Bundesland, gib deine Adresse ein – und frag deine Stadt nach einer Starkregengefahrenkarte. Ausdruck oder Bildschirmfoto zu den Unterlagen.
  • Warnungen einrichten: Unter Warnungen die Kreise wählen, in denen ihr wohnt und arbeitet – dort erscheinen auch amtliche Hochwasserwarnungen. Liegt ein Radio mit Batterien oder Kurbel im Haus?
  • Wo ist was: Am Sicherungskasten nachsehen, welche Sicherungen Keller und Erdgeschoss versorgen. Sicherungskasten, Haupthahn und Gas-Absperrhahn unter Wo ist was eintragen, mit Foto.
  • Keller-Rundgang: Was darf dort nicht nass werden – Dokumente, Fotos, Elektrogeräte, Chemikalien? Eine Sache nach oben bringen. Die Dokumentenmappe gehört nie in den Keller.
  • Rückstausicherung: Gibt es eine Rückstauklappe, und wann wurde sie zuletzt gewartet? Zur Miete: Vermieter fragen.
  • Versicherung nachlesen: Steht in deiner Hausrat- oder Wohngebäudepolice etwas von „Elementarschäden“?
  • Hochwasser-Plan: Im Familienplan einen höher gelegenen Treffpunkt ohne Weg durch eine Unterführung festlegen, und einen sicheren Platz fürs Auto.

Verstehen

Flusshochwasser und Starkregen

Flusshochwasser entsteht, wenn großflächige, lang anhaltende Niederschläge – manchmal zusammen mit Schneeschmelze – die Flüsse über die Ufer treten lassen. An größeren Flüssen ist laut Hochwasserschutzfibel des Bundes eine Prognose über ein bis zwei Tage und eine sichere Vorhersage über mehrere Stunden möglich. An kleineren Gewässern in den Mittelgebirgen schrumpft die Vorwarnzeit auf wenige Stunden.

Starkregen kommt vor allem im Sommer mit Gewittern. Er ist räumlich begrenzt und kurz, bringt aber die größten Regenmengen. Kleine Bäche steigen dann sehr schnell, und die Kanalisation ist für solche Mengen nicht ausgelegt. Das Wasser fließt oberirdisch ab, sammelt sich in Senken und an Tiefpunkten wie Unterführungen und dringt in Keller und Tiefgaragen – auch weit weg von Gewässern. Oft bleibt kaum Zeit; sinnvoll handeln kannst du dann nur auf Basis der Wetterwarnung, am besten noch vor dem Regen (Hochwasserschutzfibel).

Oft übersehen werden:

  • Rückstau aus dem Kanal: Ist der Abwasserkanal überlastet, drückt das Wasser über die Hausanschlussleitung zurück ins Gebäude – durch Bodenabläufe, Duschen oder Toiletten im Keller. Das passiert bei Starkregen genauso wie bei Flusshochwasser.
  • Grundhochwasser: Nach langen Nassperioden steigt das Grundwasser, oft zeitverzögert, und drückt durch undichte Kellerwände.
  • Sturmflut an der Küste: Sie ist gut vorherzusagen; in Hamburg und Bremen gehören Evakuierungen fest zum Küstenschutz.
Zwei Arten von Hochwasser Flusshochwasser nach langem Regen Vorwarnung: Stunden bis Tage Pegel und Vorhersagen an Fluss, Bach und Aue Starkregen überall möglich oft nur Minuten Zeit Senken, Keller, Unterführungen kaum genau vorherzusagen Bei beiden möglich: Rückstau aus dem Kanal
Zwei Arten von Hochwasser im Vergleich: Flusshochwasser kommt nach langem Regen, hat Stunden bis Tage Vorwarnzeit und wird über Pegel vorhergesagt. Starkregen kann überall auftreten, lässt oft nur Minuten, flutet Senken, Keller und Unterführungen und ist kaum genau vorherzusagen. Rückstau aus dem Kanal ist bei beiden möglich.

Wie gewarnt wird

Verschiedene Stellen warnen – und sie warnen vor Verschiedenem:

  • Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor dem Wetter, also vor Starkregen und Dauerregen, bis auf Kreis- oder Gemeindeebene. Seine Warnungen haben vier Stufen: Wetterwarnung (gelb), markante Warnung (orange), Unwetterwarnung (rot) und extremes Unwetter (violett).
  • Die Hochwasserzentralen der Länder messen die Pegel an den Flüssen, berechnen Vorhersagen und geben Hochwasserwarnungen heraus. Gebündelt siehst du das im Länderübergreifenden Hochwasserportal (hochwasserzentralen.de) und in der amtlichen Pegel-App der Länder. Viele Länder nutzen Meldestufen an den Pegeln. In Bayern etwa bedeutet Stufe 1 stellenweise kleinere Ausuferungen, Stufe 3 einzelne überflutete bebaute Grundstücke oder Keller und Stufe 4 größere überflutete bebaute Gebiete. Welcher Wasserstand zu welcher Stufe gehört, wird für jeden Pegel einzeln festgelegt.
  • Die Warn-App NINA des BBK bündelt die Wetterwarnungen des DWD, Hochwasserinformationen aus dem Länderübergreifenden Hochwasserportal und Warnungen des Katastrophenschutzes. Dieselben amtlichen Warnungen zeigt Bereitsein unter Warnungen für die Kreise, die du auswählst.
  • Vor Ort informieren Stadt und Gemeinde, oft mit Lautsprecherwagen. In besonderen Gefahrenlagen kommen Sirenen dazu (eine Minute auf- und abschwellender Heulton heißt: Gefahr, informier dich) und die Handy-Warnung per Cell Broadcast.

Was die DWD-Stufen bei Starkregen bedeuten (Regenmenge in Litern pro Quadratmeter):

Stufe Warnung in 1 Stunde in 6 Stunden
2 Starkregen 15 bis 25 20 bis 35
3 Heftiger Starkregen 25 bis 40 35 bis 60
4 Extrem heftiger Starkregen über 40 über 60

Wichtig bei Starkregen: Die Warnungen gelten meist für einen ganzen Kreis, eine Gewitterzelle ist aber oft nur wenige Kilometer groß. Vielleicht bleibt es bei dir trocken – vielleicht trifft es genau deine Straße. Warn-Apps ergänzen die eigene Aufmerksamkeit, sie ersetzen sie nicht. Und jedes Hochwasser verläuft anders; Erfahrungen von früher können täuschen (Hochwasserschutzfibel).

Bei Stromausfall funktionieren viele Warnwege nicht mehr – ein Radio mit Batterien, Kurbel oder im Auto aber schon (BBK). Mehr dazu im Guide Warnungen und Kommunikation.

Gefahrenkarten lesen

Die Länder erstellen für Gewässer mit erheblichem Risiko Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten, öffentlich und kostenlos. Im Detail unterscheiden sie sich je nach Land. So liest du sie (Beispiel Bayern):

  • Drei Szenarien: HQhäufig ist ein häufiges Hochwasser, in Bayern ein 10-jährliches (nicht für alle Gewässer vorhanden). HQ100 tritt im Mittel einmal in 100 Jahren auf – das heißt aber nicht, dass es danach 99 Jahre ruhig bleibt; es kann auch mehrmals kurz hintereinander kommen. HQextrem ist ein sehr seltenes Ereignis, in Bayern etwa ein 1000-jährliches, bei dem Schutzanlagen meist nicht mehr wirken.
  • Farben: Blaue Flächen zeigen, wo Wasser stehen würde. Je dunkler der Ton, desto tiefer das Wasser. In Bayern zeigen gelbe bis orange Flächen Gebiete hinter Deichen, die nur bei einem Versagen der Schutzanlage nass würden – auch Deiche bieten keine hundertprozentige Sicherheit.
  • Gefahr und Risiko: Gefahrenkarten zeigen Fläche und Wassertiefe, manchmal auch die Fließgeschwindigkeit. Risikokarten zeigen zusätzlich, wie die Flächen genutzt werden – etwa wie viele Menschen betroffen wären oder wo Anlagen stehen, von denen bei Überflutung Gefahr für die Umwelt ausgeht.
  • Was fehlt: Die Hochwassergefahrenkarten zeigen nur Hochwasser an Gewässern. Starkregen, Kanalrückstau und hohes Grundwasser sind nicht enthalten. Fehlende Angaben auf der Karte bedeuten ausdrücklich nicht, dass dort kein Hochwasser auftreten kann (LfU Bayern).

Starkregengefahrenkarten gibt es nur in manchen Orten, meist von der Kommune, darum sieht jede anders aus. Sie zeigen, wo sich Regenwasser sammeln oder nicht schnell genug abfließen kann, etwa in kleinen Senken. Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie rät: Wo es lokale Starkregenkarten gibt, nimm die – und ein Gesamtbild bekommst du nur, wenn du Starkregenkarte und Hochwassergefahrenkarte zusammen ansiehst.

Ruf die Karten nicht erst im Ernstfall ab: Wenn die Pegel steigen, sind die Portale oft überlastet. Druck sie vorher aus (Hochwasserschutzfibel).

Gefahrenkarte lesen Fluss Deich HQhäufig etwa alle 10 Jahre HQ100 im Mittel alle 100 Jahre HQextrem sehr selten Je dunkler, desto tiefer. Echte Karten: Blautöne Starkregen fehlt – eigene Starkregenkarte Kein Eintrag heißt nicht: kein Risiko.
Schema einer Hochwassergefahrenkarte: Neben dem Fluss liegen drei Bänder. Das dunkelste, schmale Band ist HQhäufig, etwa alle 10 Jahre; das mittlere Band HQ100, im Mittel alle 100 Jahre; das helle, breite Band HQextrem, sehr selten. Ein Haus liegt im HQextrem-Bereich, ein Deich schützt nicht sicher. Je dunkler, desto tiefer. Starkregen fehlt auf dieser Karte.

Wie Wasser ins Haus kommt

Wasser findet viele Wege: über Kellerfenster und Lichtschächte, durch Türen und Garagen, durch undichte Wände und Leitungsdurchführungen – und von unten durch den Kanal. Dafür gibt es die Rückstauebene: Sie markiert, wie hoch das Wasser im Kanal steigen kann. Wenn die Behörde nichts anderes festlegt, ist das die Höhe der Straßenoberkante an deinem Anschluss. Alles, was im Haus darunter liegt – Bodenablauf, Dusche oder Toilette im Keller oder in einer Souterrainwohnung –, kann bei Rückstau überflutet werden. In Überschwemmungsgebieten kann das Wasser im Kanal sogar bis zur Höhe des Hochwassers steigen (Hochwasserschutzfibel).

Haus und Keller schützen OG EG Keller Straße Kanal 1 2 3 4 5 1 Rückstauklappe, regelmäßig warten 2 Kellerfenster, Lichtschacht dicht 3 Sicherungskasten möglichst oben 4 Öltank gegen Aufschwimmen 5 Dokumente, Wertvolles oben Rückstauebene, meist Straße
Querschnitt durch ein Haus mit Keller: 1. Rückstauklappe an der Abwasserleitung zum Kanal, regelmäßig warten. 2. Kellerfenster und Lichtschacht abdichten. 3. Sicherungskasten möglichst oben, gefährdete Räume abschalten. 4. Heizöltank gegen Aufschwimmen sichern. 5. Dokumente und Wertvolles nach oben. Die Rückstauebene liegt meist auf Höhe der Straße; alles darunter ist gefährdet.

Warum Wasser so gefährlich ist

  • Kraft: Schon 15 cm schnell fließendes Wasser können einen Menschen umwerfen, 30 cm bewegtes Wasser reichen, damit ein normales Auto aufschwimmt, und 60 cm reißen die meisten Fahrzeuge mit (Natural Resources Wales; zu den 30 cm auch die englische Umweltbehörde).
  • Wasserdruck: Läuft ein Keller voll, drückt das Wasser die Tür zu – sie lässt sich von innen nicht mehr öffnen (BBK). Schon wenige Dezimeter Wasser können lebensgefährlich werden, wenn Türen klemmen oder Strom im Spiel ist (Hochwasserschutzfibel).
  • Strom: Überflutete Elektroanlagen sind lebensgefährlich. Überflutete Räume darfst du nur betreten, wenn sicher ist, dass der Strom abgeschaltet ist (Hochwasserschutzfibel).
  • Was du nicht siehst und was drin ist: offene Kanaldeckel, unterspülte Fahrbahnen, Treibgut – und Heizöl, Fäkalien, Chemikalien und Keime. Hochwasser nie trinken, auch nicht abgekocht oder gefiltert (siehe Trinkwasser).
Wie viel Wasser gefährlich ist 15 cm schnell fließend: Mensch kann fallen 30 cm bewegtes Wasser: Auto schwimmt auf 60 cm reißt die meisten Fahrzeuge mit Nie durch Wasser gehen oder fahren
Wassertiefe und Gefahr: Bei 15 Zentimetern schnell fließendem Wasser kann ein Mensch umfallen. Bei 30 Zentimetern bewegtem Wasser schwimmt ein Auto auf. Bei 60 Zentimetern werden die meisten Fahrzeuge mitgerissen. Darum nie durch Wasser gehen oder fahren.

Quellen für diesen Abschnitt: BBK-Ratgeber (11/2025), BBK „Empfehlungen bei Hochwasser“ (2024), BBK „Warn-App NINA“, Hochwasserschutzfibel (BMWSB, 2/2022), DWD Warnkriterien, Länderübergreifendes Hochwasserportal, LfU Bayern (Kartenfragen, Standortauskunft, Hochwassernachrichtendienst), BKG Hinweiskarte Starkregengefahren (10/2021), Natural Resources Wales, Environment Agency (12/2019), CDC (8/2026).

Vorbereiten

Dein Risiko einschätzen

Wer von Hochwasser betroffen sein kann, soll laut Wasserhaushaltsgesetz im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren vorsorgen. Das beginnt mit diesen Fragen:

  1. Liegt dein Haus auf der Hochwassergefahrenkarte? Wenn ja: in welchem Szenario, und wie tief wäre das Wasser? Liegt es hinter einem Deich?
  2. Gibt es eine Starkregengefahrenkarte? Frag bei der Stadt oder Gemeinde nach. Auch beim Kauf oder vor dem Mieten einer Wohnung lohnt die Frage nach dem örtlichen Hochwasserrisiko (BBK).
  3. Wie liegt dein Haus im Gelände? In einer Senke, unten an einem Hang, an einem kleinen Bach, an einem Tiefpunkt der Straße? Auch Straßen- oder Flurnamen wie „Im Tal“, „Mühlenstraße“ oder „Hohlweg“ können ein Hinweis sein (Hochwasserschutzfibel).
  4. Was liegt unter der Straßenoberkante? Keller, Souterrainwohnung, Tiefgarage, Abläufe und Toiletten im Untergeschoss – alles, was unter der Rückstauebene liegt, ist bei Rückstau gefährdet.
  5. Wo kommt Wasser hinein? Kellerfenster, Lichtschächte, Kellertür, Garagentor, Leitungsdurchführungen.
  6. Was war früher? Frag Nachbarn, die schon lange dort wohnen. Die Fibel rät Zugezogenen ausdrücklich, sich von Alteingesessenen beraten zu lassen.

Manche Länder bündeln das für eine Adresse, etwa Bayern mit der Standortauskunft „Wassergefahren“; bundesweit zeigt das Naturgefahrenportal des DWD Warnungen und standortbezogene Gefahren. Für ein Haus kann eine unabhängige Fachberatung Eindringwege finden und passende Maßnahmen vorschlagen (Hochwasserschutzfibel).

Warnungen einrichten

  1. Unter Warnungen die Kreise auswählen, in denen ihr wohnt, arbeitet und zur Schule geht.
  2. Eine Warn-App wie NINA installieren und Starkregen- und Hochwasserwarnungen aktiv lassen. Für Pegel an Flüssen gibt es die amtliche, kostenlose Pegel-App der Länder (siehe Empfohlene Apps).
  3. Ein Radio mit Batterien oder Kurbel bereithalten (BBK).
  4. Handy erreichbar halten, auch nachts, wenn eine Lage droht (BBK).
  5. Wohnst du an einem Fluss: Such dir den nächsten Pegel. Die Gemeinden legen in ihren Meldeplänen fest, welche Maßnahmen bei welchen Pegelständen nötig sind (LfU Bayern) – frag dort oder bei alteingesessenen Nachbarn, ab welchem Stand es bei euch kritisch wird, und notier die Zahl.

Wo ist was: Strom, Wasser, Gas

Jedes Familienmitglied sollte wissen, wo die Hauptschalter und Absperrungen für Wasser, Strom, Heizung, Gas und Öl sind (Hochwasserschutzfibel). Trag sie unter Wo ist was ein, mit Foto. Schau im Sicherungskasten nach, ob Keller und Erdgeschoss eigene Sicherungen haben: Dann kannst du nur diese Bereiche abschalten – sicherer für alle, die noch im Haus sind (Hochwasserschutzfibel).

Das Haus schützen

Die Hochwasserschutzfibel beschreibt drei Strategien, die man kombiniert: Ausweichen (Wertvolles höher legen), Widerstehen (Wasser draußen halten) und Anpassen (so einrichten, dass Wasser wenig Schaden anrichtet). Manchmal ist gezieltes Fluten weniger schädlich als der Versuch, jeden Tropfen draußen zu halten – steigt das Wasser draußen hoch, drückt es auf Wände und Bodenplatte. Größere Umbauten plant deshalb jemand vom Fach.

Rückstausicherung: Rückstauverschlüsse oder Hebeanlagen schützen alle Abläufe unter der Rückstauebene (BBK, Hochwasserschutzfibel). Rückstauverschlüsse müssen ein zugelassener Typ sein, richtig sitzen und regelmäßig gewartet werden – die Fibel nennt eine halbjährliche Wartungspflicht. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Rückstauschäden ohne funktionstüchtige Rückstausicherung unter Umständen nicht versichert sind.

Öffnungen: Kellerfenster, Türen und Leitungsdurchführungen lassen sich abdichten, es gibt hochwasserbeständige Fenster, Türen und Lichtschächte. Achte bei solchen Systemen auf die zulässige Einstauhöhe, die der Hersteller angibt (Hochwasserschutzfibel). Das BBK rät, wasserfeste Sperrholzplatten, Silikon zum Abdichten von Türen und Fenstern sowie Sandsäcke bereitzuhalten; für größere Gefährdung gibt es mobile Systeme wie Dammbalken.

Strom und Heizung: Sicherungskasten und Gasheizung gehören möglichst in hochwassergeschützte Bereiche, also nach oben (BBK). In Keller und Erdgeschoss sollten Steckdosen und Leitungen über dem erwarteten Wasserstand liegen (Hochwasserschutzfibel).

Heizöltank: Ungesicherte, teilweise leere Tanks können aufschwimmen, umkippen und Leitungen abreißen – dann läuft Heizöl aus und verseucht Haus und Umgebung. Tanks müssen gegen Aufschwimmen gesichert sein (BBK), und in Überschwemmungs- und Risikogebieten gelten gesetzliche Nachrüstpflichten. Lass bestehende Tankanlagen auf ihre Hochwassergefahr begutachten (Hochwasserschutzfibel).

Ausrüstung: Das BBK nennt einen Pumpensumpf im Keller und eine Abwasserpumpe; die Fibel listet unter anderem Tauchpumpe mit FI-Schutzschalter, wasserdichte Verlängerungskabel, Gummistiefel und Sandsäcke. Feuerwehr und THW brauchen ihre Ausrüstung im Ernstfall selbst – größere Anschaffungen könnt ihr gemeinsam in der Nachbarschaft machen.

Sandsäcke: was sie können und was nicht

Sandsäcke sind günstig, flexibel und nach kurzer Einweisung auch von Laien zu füllen. So beschreibt es die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg:

  1. Halb bis höchstens zwei Drittel füllen. Vollere Säcke passen sich nicht an Boden und Nachbarsäcke an und werden zu schwer. Ein zu zwei Dritteln gefüllter Sack wiegt etwa 18 bis 20 kg.
  2. Öffnung umschlagen statt zubinden – das geht schneller und reicht im verbauten Zustand. Zugebunden wird nur, wenn Säcke geworfen oder lose transportiert werden.
  3. Längs verlegen und versetzt wie bei einer Ziegelmauer, dicht an dicht, damit ein fester Verbund entsteht. Bei quer gelegten Säcken zeigt die umgeschlagene Seite zum Wasser.
  4. Nicht werfen, sondern in einer Kette von Hand zu Hand weitergeben.

Und das ist die ehrliche Grenze: Türen und Fenster lassen sich mit Sandsäcken oft nicht dicht bekommen. Vor Türen und Fenstern wirken sie aber wie ein Filter – es kommt deutlich weniger Schlamm ins Haus, das Aufräumen wird leichter. Eine vollständige Abdichtung mit Folie raten die Feuerwehrfachleute ab, weil in vielen Fällen Wasser ins Gebäude kommen können muss, damit es standsicher bleibt. Wird eine Sandsackbarriere überströmt, kann sie schlagartig nachgeben (Hochwasserschutzfibel). Und: Nach dem Einsatz sind Sand und Säcke fast immer verschmutzt und müssen entsorgt werden.

Sandsäcke richtig nutzen 1 Halb bis 2/3 füllen etwa 18–20 kg 2 Öffnung umschlagen nicht zubinden 3 Längs und versetzt legen wie Ziegel 4 Vor Türen: Schlammfilter nicht mit Folie dicht Überströmte Barrieren können plötzlich brechen.
Sandsäcke richtig nutzen in vier Schritten: 1. halb bis zwei Drittel füllen, etwa 18 bis 20 Kilogramm. 2. Öffnung umschlagen, nicht zubinden. 3. längs und versetzt verlegen wie eine Ziegelmauer. 4. vor Türen als Schlammfilter, nicht mit Folie ganz abdichten.

Keller und Erdgeschoss: was wohin

  • Dokumente und Unersetzliches nach oben: Wichtige Dokumente gehören außerhalb des Gefahrenbereichs (BBK), am besten wasserdicht verpackt. Zuerst zählen Unterlagen und Erinnerungsstücke, die kaum zu ersetzen sind – nicht das Sofa (Hochwasserschutzfibel).
  • Gefährliche Stoffe nach oben: Was gesundheits- oder umweltgefährdend ist, etwa Lösungsmittel oder Pflanzenschutzmittel, gehört ebenfalls aus dem Gefahrenbereich (BBK).
  • Einen Räumplan machen: Die Fibel rät, vorher festzulegen – als Liste und als Skizze –, was im Ernstfall in welcher Reihenfolge nach oben kommt. Schweres wie Waschmaschine und Trockner kann dauerhaft auf ein Podest.
  • Keine Vorräte im Flutbereich: Wasser- und Lebensmittelvorrat in einen Keller, der nicht vollläuft – sonst eine Etage höher (siehe Trinkwasser und Lebensmittel).

Versicherung: Elementarschaden

Überschwemmung durch Hochwasser oder Starkregen und Rückstau sind weder in der Wohngebäude- noch in der Hausratversicherung im Standard enthalten. Dafür gibt es einen Zusatzbaustein für Elementarschäden, der meist nur zusammen mit der Hauptversicherung abgeschlossen werden kann (Verbraucherzentrale, Hochwasserschutzfibel). Eine Pflicht dazu gibt es in Deutschland derzeit nicht.

  • Gebäude versichert der Eigentümer. Hausrat versichert, wer darin wohnt. Zur Miete fragst du die Vermieterin oder den Vermieter, ob das Gebäude elementarversichert ist (Hochwasserschutzfibel).
  • Was meist nicht gedeckt ist: Grundwasser, das von unten durchs Mauerwerk drückt (Verbraucherzentrale).
  • Pflichten: In überflutungsgefährdeten Räumen werden funktionierende Rückstauklappen verlangt, Abflussleitungen auf dem Grundstück müssen frei sein. Wer das versäumt, bekommt unter Umständen nichts oder nur einen Teil (Verbraucherzentrale).
  • Auto: Überschwemmungsschäden sind meist über mindestens eine Teilkasko abgedeckt (Verbraucherzentrale).

Notgepäck und Plan

Halte für eine Evakuierung dein Notgepäck bereit: wichtige Medikamente, Dokumente, Wechselkleidung, Taschenlampe und ausreichend Wasser (BBK). Was in welchen Rucksack gehört, hakst du unter Rucksack ab. Im Familienplan legst du Treffpunkte, Ziele und Wege fest – bei Hochwasser auf höher gelegenen Wegen, ohne Unterführungen und Uferbereiche. Die Gemeinden legen in ihren Einsatzplänen hochwasserfreie Wege, Sammelstellen und Notunterkünfte fest (Hochwasserschutzfibel); frag danach und trag sie als wichtige Orte auf der Karte ein. Mit Relief und Höhenlinien siehst du dort, wo es bergauf geht. Mehr im Guide Evakuierung.

Sprecht in der Familie ab, wer was macht, und denkt daran, dass nicht immer alle zu Hause sind (Hochwasserschutzfibel). Organisiert Nachbarschaftshilfe – wer hilft wem? –, denn Hochwasser kann Telefon und Mobilfunk unterbrechen. Siehe Guide Nachbarschaftshilfe.

Varianten für euren Haushalt

Wohnung im Erdgeschoss, Souterrain oder mit Kellerabteil

  • Im Kellerabteil nur lagern, was nass werden darf.
  • Abläufe, Dusche und Toilette unter Straßenniveau sind bei Rückstau gefährdet – frag nach Rückstausicherung und Wartung.
  • Sprich mit Nachbarn in oberen Stockwerken, ob du im Notfall zu ihnen hinauf kannst.
  • Den Elementarschutz für deinen Hausrat schließt du selbst ab, nicht der Vermieter.

Haus

  • Gebäude und Hausrat versichern, da Schäden trotz aller Vorsorge entstehen können (BBK).
  • Abläufe und Rinnen regelmäßig reinigen, Rückschlagklappen warten lassen (Hochwasserschutzfibel).

Tiefgarage und Auto

  • Bei Hochwassergefahr das Auto rechtzeitig aus Garage oder Tiefgarage an einen sicheren, höher gelegenen Ort fahren (Hochwasserschutzfibel) – solange das gefahrlos geht. Ist schon Wasser in der Tiefgarage, bleibst du draußen (BBK).

Mit Kindern

  • Kinder auf die besonderen Gefahren hinweisen und klären, wohin sie gehen, wenn sie unterwegs sind – vielleicht ist der Weg zu Verwandten oder Bekannten kürzer und ungefährlicher (Hochwasserschutzfibel).
  • Kinder nicht im Hochwasser oder auf überfluteten Flächen spielen lassen, auch nicht mit Spielzeug, das im Wasser lag und nicht desinfiziert ist. Auch flaches stehendes Wasser kann für kleine Kinder gefährlich sein (CDC).
  • Sorgen ernst nehmen und ehrlich erklären, was passiert (BBK). Mehr im Guide Kinder in Krisen.

Mit Pflegebedarf oder Behinderung

  • Überlegen, was du brauchst, wenn du schnell das Haus verlassen musst: Mobilitätshilfen, Brille oder Hörgerät, Ersatz-Akkus, Medikamentenplan und -vorrat, Notfallkontakte, Notfallausweis (BBK).
  • Wenn du Fluchtwege nicht selbst nutzen kannst: Wer unterstützt dich, und wie? Sprich mit Nachbarschaft, Familie und Freundeskreis darüber (BBK).
  • Hochwasser kann auch den Strom ausfallen lassen. Mehr in den Guides Stromausfall und Pflegebedürftige und Haustiere.

Mit Haustieren

  • Haustiere gehören bei Gefahr mit nach oben oder aus der Gefahrenzone (Hochwasserschutzfibel, GOV.UK).
  • Vorher klären, wo Tiere unterkommen können, und Futter sicher lagern (Hochwasserschutzfibel). Transportbox, Leine, Futter und Wasser griffbereit halten.

Ohne Auto

  • Mitfahrt vorher mit Freunden, Familie oder Nachbarn absprechen (CDC).
  • Bei angeordneten Evakuierungen bringen die Gemeinden Menschen von hochwassersicheren Sammelstellen in Notunterkünfte (Hochwasserschutzfibel). Frag, wo eure Sammelstelle ist, und plane den Weg dorthin zu Fuß – ohne Unterführung.

Quellen für diesen Abschnitt: BBK-Ratgeber (11/2025), BBK „Empfehlungen bei Hochwasser“ (2024), Hochwasserschutzfibel (BMWSB, 2/2022), LfU Bayern (Standortauskunft), Naturgefahrenportal (DWD), Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg (7/2014), Landeshauptstadt Stuttgart (6/2024), Verbraucherzentrale (7/2026, 8/2026), CDC (8/2026), GOV.UK.

Im Ernstfall

Den Kurzablauf hat der Notfall-Modus: Notfall – Hochwasser. Anweisungen von Behörden und Einsatzkräften gehen immer vor.

Bei einer Starkregen- oder Hochwasserwarnung

  1. Informieren: Warn-App, Radio, Lautsprecherdurchsagen. An Flüssen die Meldungen der Hochwasserzentralen und die Pegel verfolgen. Handy laden (Hochwasserschutzfibel).
  2. Auto in Sicherheit bringen: aus Tiefgarage und Garage an einen höher gelegenen Ort – nur solange noch kein Wasser da ist.
  3. Keller räumen, solange er trocken ist: Was nicht nass werden darf, nach oben. Ist schon Wasser im Keller: nicht mehr hinein – Lebensgefahr (Hochwasserschutzfibel, Stadt Stuttgart).
  4. Strom für gefährdete Räume frühzeitig abschalten, an den Sicherungen für Keller und Erdgeschoss (BBK). Elektrische Geräte im Gefahrenbereich ausschalten oder hochstellen. Bei akuter Gefahr – oder wenn die Behörden es sagen – die Haupthähne für Gas, Wasser und Strom zudrehen, wenn das gefahrlos geht; denk an Kühlschrank und Gefriertruhe (Hochwasserschutzfibel, GOV.UK).
  5. Schutz aufbauen: Kellerfenster und Türen abdichten, Sandsäcke legen, Heizöltank und Technik sichern – aber nur, solange du nicht im Wasser stehst.
  6. Andere warnen und helfen: Nachbarn Bescheid geben, Kinder und ältere Menschen in Sicherheit bringen (BBK).
  7. Notgepäck bereitstellen und dich auf eine Evakuierung einstellen (BBK).

Wenn das Wasser kommt

  1. Nie in den Keller, in die Tiefgarage oder in eine Unterführung. Die Kellertür geht bei Flutung von innen nicht mehr auf, und es droht ein tödlicher Stromschlag (BBK).
  2. Kein Lichtschalter, kein Gerät, wenn du im Wasser stehst (GOV.UK, CDC). Kommst du nur durchs Wasser an den Sicherungskasten, lass ihn in Ruhe – bei Gefahr 112, sonst später eine Elektrofachkraft.
  3. Nach oben: in höher gelegene Stockwerke, mit Familie, Haustieren, Notgepäck und Dokumenten (BBK, GOV.UK).
  4. Bei Lebensgefahr 112. Funktionieren 110 und 112 nicht, geh wenn möglich zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus (BBK). Bist du eingeschlossen, mach dich am Fenster bemerkbar – mit Lampe und Pfeifton hilft dir Signal auch ohne Netz.
  5. Tritt Heizöl oder ein anderer gefährlicher Stoff aus, sofort die Feuerwehr verständigen (BBK).
Wasser im Keller: nie hinunter 1 Wasserdruck hält die Tür zu 2 Strom im Wasser kann töten 3 Das Wasser steigt schnell Stattdessen: nach oben gehen Strom nur trocken abschalten
Kellertreppe mit Verbotszeichen: Bei Wasser im Keller nie hinuntergehen. 1. Wasserdruck hält die Tür zu. 2. Strom im Wasser kann töten. 3. Das Wasser steigt schnell. Stattdessen nach oben gehen und Strom nur von einer trockenen Stelle abschalten.

Hoch oder raus?

Bei Hochwasser, Starkregen und Sturzfluten bieten höher gelegene Bereiche oder Stockwerke den besten Schutz (BBK). Ob du im Haus nach oben gehst oder das Haus verlässt, hängt von der Lage ab:

  • Evakuierung angeordnet? Dann gehst du – zügig und so, wie die Behörden es sagen. Eine Evakuierung wird erst angeordnet, wenn erhebliche Gefahr für Leib und Leben besteht, und die Zeit ist dann meist kurz (Hochwasserschutzfibel). Ablauf im Guide Evakuierung.
  • Wasser steigt schon im Haus oder auf der Straße? Nicht mehr hinaus durchs Wasser. Geh nach oben und bleib dort, bis Hilfe kommt oder das Wasser sinkt. Bei Lebensgefahr 112.
  • Noch trocken, aber Warnung aktiv? Informiert bleiben, Notgepäck bereit, Auto rechtzeitig wegfahren, Keller räumen – und bei Aufforderung sofort los.
Hoch oder raus? Evakuierung angeordnet? ja Gehen – sofort wie angewiesen, mit Notgepäck nein Wasser im Haus, auf Straße? ja Nach oben, nicht durchs Wasser in Lebensgefahr 112 nein Informiert bleiben, Notgepäck bereit Auto rechtzeitig wegfahren
Entscheidungsweg bei Hochwasser: Ist eine Evakuierung angeordnet, sofort gehen, wie angewiesen und mit Notgepäck. Wenn nicht: Steht schon Wasser im Haus oder auf der Straße, nach oben gehen, nicht durchs Wasser, in Lebensgefahr 112. Wenn nicht: informiert bleiben, Notgepäck bereithalten, Auto rechtzeitig wegfahren.

Unterwegs und im Auto

  • Nie durch überflutete Straßen fahren oder gehen. Kehr um und such einen anderen Weg (Environment Agency). Die Fahrbahn kann unterspült sein, weggeschwemmte Kanaldeckel können offene Schächte hinterlassen, und die Wassertiefe wird oft unterschätzt (Landesfeuerwehrschule BW).
  • Unterführungen, Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen und Uferbereiche meiden, Absperrungen beachten (BBK).
  • Abstand zu Strom: Nicht durch Wasser fahren, in dem Stromleitungen liegen, und heruntergefallene Leitungen nie anfassen (CDC).
  • Schwimmen hilft nicht: Hochwasser ist für alle eine Ertrinkungsgefahr, auch für gute Schwimmer – und auch flaches, schnell fließendes Wasser kann tödlich sein (CDC).
  • Für Gewitter, Sturm und Hagel unterwegs siehe Guide Unwetter.

Quellen für diesen Abschnitt: BBK-Ratgeber (11/2025), BBK „Empfehlungen bei Hochwasser“ (2024), Hochwasserschutzfibel (BMWSB, 2/2022), Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg (7/2014), Landeshauptstadt Stuttgart (6/2024), Environment Agency (12/2019), GOV.UK „What to do during a flood“, CDC (8/2026).

Danach

Zurück ins Haus

  • Erst, wenn es sicher ist: Nach einer Evakuierung erst nach der Freigabe. Bei stark betroffenen Gebäuden prüfen, ob Einsturzgefahr besteht – im Zweifel nicht hinein und eine sachverständige Person holen (Hochwasserschutzfibel, CDC).
  • Bei Tageslicht zurückkehren, Taschenlampe statt Kerze (CDC). Überflutete Bereiche nur betreten, wenn du sicheren Halt hast, Treppen und Böden tragen und der Strom abgeschaltet ist (Hochwasserschutzfibel).
  • Strom: Erreichst du den Hauptschalter von einer trockenen Stelle, schalte ab. Musst du dafür ins Wasser, ruf eine Elektrofachkraft. Vor dem Wiedereinschalten muss eine Fachkraft die Anlage prüfen (CDC, GOV.UK); elektrische Geräte prüfen lassen (BBK).
  • Gasgeruch: sofort raus, nichts schalten, was Funken macht. Wenn es gefahrlos geht, Haupthahn zu und Fenster auf, dann Störungsdienst oder Feuerwehr rufen (CDC).
  • Heizung: Eine überflutete Heizung nie selbst wieder in Betrieb nehmen – es drohen Fehler an Sicherheitseinrichtungen und eine Kohlenmonoxidvergiftung. Das macht ein Fachbetrieb (Hochwasserschutzfibel).
  • Schutz: Gummistiefel oder wasserfeste Schuhe, Handschuhe und Schutzbrille, bei Schimmel eine Atemschutzmaske. Hautkontakt mit Hochwasser vermeiden, Wunden wasserdicht abdecken, Hände waschen – immer vor dem Essen (Hochwasserschutzfibel, CDC).

Dokumentieren und Versicherung

Die Verbraucherzentrale fasst es in drei Worten zusammen: sichern, dokumentieren, informieren.

  1. Fotos oder Videos, bevor du aufräumst – von allen Schäden und von der Wasserlinie an Wänden und Möbeln (Hochwasserschutzfibel, GOV.UK).
  2. Liste anlegen mit allen beschädigten Gegenständen, bevor du etwas entsorgst (Hochwasserschutzfibel).
  3. Versicherung zeitnah informieren und das Aufräumen mit ihr abstimmen (Verbraucherzentrale, Hochwasserschutzfibel). Viele Versicherer haben Schadens-Hotlines.
  4. Schaden mindern: Du bist verpflichtet, den Schaden nicht größer werden zu lassen – steht etwas Wasser im Keller, nach dem Dokumentieren mit Abschöpfen und Trocknen beginnen (Verbraucherzentrale).
  5. Vorsicht vor Betrug: Die Verbraucherzentrale warnt vor Fake-Shops, die Pumpen oder Trockner gegen Vorkasse anbieten, und vor unseriösen Spendensammlern.

Abpumpen, Schlamm und Öl

  • Abpumpen erst, wenn auch draußen das Wasser sinkt und keins mehr nachläuft – sonst drückt das Wasser von außen auf Wände und Bodenplatte, es drohen Auftriebsschäden und Unterspülungen (Hochwasserschutzfibel, Landesfeuerwehrschule BW).
  • Schlamm am besten schon mit dem ablaufenden Wasser hinausschaufeln – getrocknet wird er hart (Hochwasserschutzfibel).
  • Öl auf dem Wasser: Erst muss das Öl gebunden und aufgenommen sein, dann wird gepumpt – sonst legt sich der Ölfilm dauerhaft auf die Wände. Feuerwehr verständigen (Hochwasserschutzfibel).
  • Benzinmotoren wie Generatoren oder Pumpen nie im Haus, im Keller oder in der Garage laufen lassen – Kohlenmonoxid. Draußen mindestens 6 Meter Abstand zu Türen, Fenstern und Lüftungen (CDC).

Trocknen und Schimmel

  • So schnell wie möglich trocknen, um Bauschäden, Schimmel und Schädlinge zu vermeiden (BBK). Gut lüften; oft braucht es Trocknungsgeräte, und das Trocknen kann mehrere Wochen dauern (Hochwasserschutzfibel).
  • Ventilatoren ans Fenster oder in die Tür stellen, sodass sie die Luft nach draußen blasen – nicht hinein, damit sich Schimmel nicht verteilt (CDC).
  • Was sich nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden trocknen lässt, sollte entsorgt werden (Umweltbundesamt).
  • War das Haus mehrere Tage geschlossen und überflutet, rechne mit Schimmel (CDC). Bei warmem Wetter kann er sich schon nach wenigen Tagen bilden (Hochwasserschutzfibel).
  • Bei mehrschichtigen Wänden und Böden muss jede Schicht trocknen; manchmal müssen äußere Schichten ab. Fachfirmen haben sich auf das Trocknen von Gebäuden spezialisiert, und bei Öl im Mauerwerk braucht es eine sachverständige Person (Hochwasserschutzfibel).

Wasser und Lebensmittel

  • Lebensmittel, die mit Hochwasser in Berührung kamen, wegwerfen (CDC, GOV.UK). War der Strom lange weg, Kühlschrank und Gefriertruhe prüfen – siehe Guide Stromausfall.
  • Leitungswasser erst wieder trinken, wenn die Behörden oder der Wasserversorger es freigeben; bis dahin Vorrat oder gekauftes Wasser. Auf Abkochgebote achten (Radio, Gemeinde). Hochwasser selbst nie trinken. Alles dazu im Guide Trinkwasser.
  • Hausbrunnen nach einer Überflutung entkeimen und die Wasserqualität prüfen lassen (Hochwasserschutzfibel).

Auto

Stand ein Fahrzeug bis zur Ölwanne oder über die Räder hinaus im Wasser, Motor nicht mehr starten und in die Werkstatt schleppen lassen (Hochwasserschutzfibel).

Nach dem Hochwasser 1 Erst hinein, wenn es sicher ist 2 Strom aus lassen, Fachkraft prüft 3 Fotos, Wasserlinie, dann Liste anlegen 4 Versicherung zeitnah informieren 5 Abpumpen erst, wenn es draußen sinkt 6 Schnell trocknen, Schimmel vermeiden Leitungswasser erst nach Freigabe trinken
Nach dem Hochwasser in sechs Schritten: 1. erst hinein, wenn es sicher ist. 2. Strom aus lassen, Fachkraft prüft. 3. Fotos und Wasserlinie, dann Liste. 4. Versicherung informieren. 5. abpumpen erst, wenn draußen das Wasser sinkt. 6. schnell trocknen, Schimmel vermeiden. Leitungswasser erst nach Freigabe trinken.

Daraus lernen

Wenn das Gröbste geschafft ist, fragt euch, wie es die Hochwasserschutzfibel vor dem Wiederaufbau empfiehlt: Woher kam das Wasser? Wie viel Zeit hatten wir? Waren die Maßnahmen sinnvoll – und hat sich jemand dabei in Gefahr gebracht? Dann Notgepäck auffüllen, den Familienplan anpassen und eine Sache verbessern. Angst und Unsicherheit danach sind normal; Hilfe im Guide Stress und Angst in Krisen.

Quellen für diesen Abschnitt: BBK „Empfehlungen bei Hochwasser“ (2024), Hochwasserschutzfibel (BMWSB, 2/2022), Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg (7/2014), Verbraucherzentrale (8/2026), Umweltbundesamt (6/2013), CDC (8/2026), GOV.UK „What to do after a flood“.

Häufige Fehler

  • „Hier gibt es keinen Fluss“: Starkregen kann überall Keller und Straßen fluten.
  • Auf die Karte verlassen: Hochwassergefahrenkarten zeigen keinen Starkregen und keinen Kanalrückstau.
  • Noch schnell in den Keller, um etwas zu retten, wenn schon Wasser eindringt.
  • Durch Wasser fahren – „ist doch nur knöcheltief“. 30 cm bewegtes Wasser bringen ein Auto zum Schwimmen.
  • Das Auto aus der Tiefgarage holen, wenn dort schon Wasser steht.
  • Strom schalten, während du im Wasser stehst.
  • Rückstauklappe nie warten lassen – oder gar keine haben.
  • Keller leerpumpen, während draußen das Wasser noch steigt.
  • Vor dem Aufräumen keine Fotos machen.
  • Heizung oder Strom nach der Flut selbst wieder einschalten.
  • Nachbarn vergessen, die allein nicht nach oben oder hinaus kommen.

Checkliste

  • Hochwassergefahrenkarte für die eigene Adresse angesehen und ausgedruckt
  • Bei der Stadt nach einer Starkregengefahrenkarte gefragt
  • Lage des Hauses eingeschätzt: Senke, Bach, Hang, Keller unter Straßenniveau
  • Warnungen für Wohn- und Arbeitskreis eingerichtet, Warn-App installiert
  • Radio mit Batterien oder Kurbel
  • Nächsten Pegel und kritischen Wasserstand notiert (an Flüssen)
  • Sicherungskasten (Sicherungen für Keller und Erdgeschoss), Haupthahn, Gas- und Öl-Absperrung unter „Wo ist was“
  • Rückstausicherung vorhanden und regelmäßig gewartet (oder beim Vermieter gefragt)
  • Heizöltank gegen Aufschwimmen gesichert und begutachtet
  • Dokumente, Erinnerungsstücke und Chemikalien aus dem Keller nach oben
  • Räumplan für den Keller: was zuerst nach oben kommt
  • Bei Bedarf: Sandsäcke, Sperrholzplatten, Silikon, Tauchpumpe mit FI-Schutzschalter, Gummistiefel
  • Versicherung geprüft: Elementarschaden für Hausrat und Gebäude
  • Notgepäck mit Medikamenten, Dokumenten, Wechselkleidung, Lampe und Wasser
  • Höher gelegener Treffpunkt und Weg ohne Unterführung im Familienplan
  • Sicherer Parkplatz fürs Auto außerhalb von Tiefgarage und Senke
  • Sammelstelle und Notunterkunft der Gemeinde bekannt
  • Nachbarschaftshilfe abgesprochen: Wer hilft wem?
  • Kinder kennen die Regeln: nicht ins Wasser, nicht in den Keller

Quellen

Alle Links geprüft am 5. November 2026.